Mit 1343 Meter Seehöhe ist der Ben Nevis, der "Berg in den Wolken", der höchste Berg Großbritanniens. Und während auf den immerhin 1221 Meter hohen Nebengipfel Aonach Mor eine Gondelbahn führt, muss man sich die atemberaubende Aussicht vom Gipfelplateau des Ben Nevis durch einen mühsamen und anspruchsvollen Aufstieg selbst erarbeiten. Das Gipfelgebiet wurde übrigens im Jahr 2001 von der privaten Naturschutzorganisation John Muir Trust erworben.
Schottlands höchter Berg: Der Ben Nevis
Beim Aufstieg auf den Ben Nevis entlang der sogenannten klassischen Route erreicht man auf ungefähr halber Wegstrecke zum Gipfel in 550 Meter Seehöhe eine grasbewachsene Hochfläche, in die ein See eingebettet ist. Wie auch der an ihn angrenzende Höhenrücken heißt der See "Lochan Meall an t-Suidhe". Erfahrene Wanderer nennen ihn aber meist nur "halfway-loch", also der "See auf halber Wegstrecke" (zum Gipfel). Bereits von hier lässt sich bei entsprechendem Wetter eine schöne Aussicht über das schottische Hochland genießen.
Der kleine Ort Ford William ist der klassische Ausgangspunkt einer Wanderung auf den Ben Nevis. In der malerischen schottischen Kleinstadt am Ufer des Loch Linnhe befindet sich auch das Highland Museum. Vom Ortskern aus führt eine kleine Stichstraße in das Glen Nevis, an der sich das Visitors Center befindet. Wer die körperlichen Strapazen eines Aufstiegs auf den Ben Nevis nicht in Kauf nehmen kann oder will, kann alternativ eine nicht minder eindrucksvolle Wanderung durch die Talschlucht des Glen Nevis unternehmen.
Als Ausgangspunkt für einen Aufstieg auf den Ben Nevis bietet sich das Visitors Center an. Von hier aus folgt man zunächst einem mit Steintreppen gut befestigten Wegstück, das bequem über einige Bachläufe führt. Der Bergfuß des Ben Nevis ist abschnittsweise so steil, das die Bäche wasserfallartig hinabschießen. Die aufgelockerte Wald- und Wiesenvegetation im Talbereich weicht mit zunehmender Höhe einer dünnen Grasdecke, die auf steileren Abschnitten stellenweise aufreißt und den Untergrund freigibt.
Der Bachlauf des Red Burn verläuft eine zeitlang parallel zum Wanderweg auf den Ben Nevis, bis er ihn schließlich auf etwa halber Berghöhe quert. Der Red Burn hat im Laufe der Zeit durch fortwährende Erosion ein Kerbtal in die Westflanke des Berghanges gearbeitet. Die im Bachbett liegenden Schotter sind aufgrund der nur kurzen Transportstrecke, die sie bis hierher zurückgelegt haben, noch sehr scharfkantig.
Mit zunehmender Höhe bemerkt man, wie sich das Landschaftsbild ändert. Der obere Wegabschnitt führt nurmehr durch reine Schotterfelder. Der Weg wird abschnittsweise sehr steil und anspruchsvoller. Spätestens hier, nach etwa 3 Wanderstunden, ist festes Schuhwerk und eine gute Kondition absolute Voraussetzung für einen sicheren und bequemen Auf- und Abstieg zum Gipfel. Wenn das Wetter mitspielt, nehmen sich ganze Pilgerscharen ein Herz und wagen die Gipfelerstürmung.
Oberhalb 1200 Meter Seehöhe können auch im Sommer durchaus noch Schneefelder vorhanden sein, die es teilweise zu queren gilt. Abseits der klassischen Aufstiegsroute auf den Ben Nevis gibt es eine Vielzahl von Wander- und Klettermöglichkeiten im Gebiet der Nevis Range, die auch erfahrene Bergsteiger und Kletterer fordern. Wem das nicht reicht, der kann jeweils am ersten Samstag im September am Nevis Hill Race teilnehmen und den Berg laufend erklimmen. Den Streckenrekord der 10 Meilen langen Strecke halten bei den Männern Kenneth Stuard mit 1:25:34 Stunden (5'18"/km) und bei den Frauen Pauline Haworth mit 1:43:25 Stunden (6'23"/km).
Der letzte Wegabschnitt führt in mehreren engen Kehren zum Gipfelplateau. Als Wegmarkierung dienen etwas hellere Gesteine und einige Steinauftürmungen. Doch trotz dieser Hilfen kann der Aufstieg für unerfahrene Bergwanderer bei schlechtem Wetter gefährlich werden. Eine gute Kondition und eine geeignete Ausrüstung sind auf jeden Fall erforderlich. Dabei sollte auch die Temperaturabnahme zwischen dem Ausgangspunkt im Tal und dem Gipfel beachtet werden, die nicht selten auch bei schönem Wetter bis zu 10 Grad beträgt.
Kurz vor dem Gipfel des Ben Nevis muss der Wanderer einer gefährlichen Abbruchkante ausweichen. Hier ist vor allem bei schlechten Wetterverhältnissen oder Vorhandensein einer Schneedecke besondere Vorsicht geboten. Bei gutem Wetter bietet sich ein grandioser Blick über die schottischen Highlands.
In den gipfelnahen Lagen des Ben Nevis können selbst im Sommer noch ausgedehnte Schneefelder liegen, und auch im August kommen hier plötzliche Schneestürme vor. Schnelle Wetterumschwünge werden besonders unerfahrenen Bergsteigern immer wieder zum Verhängnis. Jedes Jahr gibt es Verletzte, ja sogar Todesfälle. Vor einem Aufstieg sollte man daher unbedingt den Wetterbericht einholen, was zum Beispiel am Visitors Center am Ausgangspunkt der klassischen Route auf den Ben Nevis möglich ist.
Auf dem Gipfel des Ben Nevis in 1343 Meter Höhe bietet sich dem Gipfelstürmer eine grandiose Fernsicht über das schottische Hochland, in westlicher Richtung sind bisweilen sogar die inneren Hebriden zu erkennen. Neben dem auf einer künstlichen Erhebung errichteten Triangulationsmeßpunkt sind hier noch die Ruinen eines Observatoriums vorhanden, in dem in den Jahren 1883 bis 1904 unter anderem die meteorologischen Standardmessgrößen erfasst wurden.
Die Schotten sind bekannt für ausgefallene Sportarten, dazu kann man auch das Munro-bagging zählen. Sir Hugh Munro verfasste Ende des letzten Jahrhundert ein Buch, in dem er alle schottischen Berge über 3000 Fuß Höhe (~914 Meter) auflistete und beschrieb. Die Schotten machten daraus eine Trendsportart, deren Ziel es ist, möglichst ist jeden dieser Munros wenigstens einmal zu besteigen.
Der höchste Berg Schottlands liegt nur einige Kilometer südlich des großen Grabenbruchs, der die Grampian Mountains im Süden von den nordwestlichen Highlands im Norden trennt. Der über 95 Kilometer lange Grabenbruch wurde wärend der letzten Eiszeit stark übertieft und ist heute durch die vier südwest-nordost ausgerichteten Seen Loch Linnhe, Loch Lochy, Loch Oich und Loch Ness gekennzeichnet.